Herzog & de Meuron - Erweiterung Tate Modern

Tate moderner

Heute überreichte der britische Kulturminister dem Direktor der Tate Modern, Sir Nicholas Serota, einen Scheck über 69 Millionen Euro. Ein Rekord! Seit 1986, dem Bau der British Library, wurde nicht mehr so viel Geld in ein kulturelles Projekt investiert. Entworfen hat den Erweiterungsbau das Basler Büro Herzog & de Meuron.
69 Millionen Euro:für den Anbau der Tate Modern

23 000 Quadratmeter mehr Kunst: So wird die neue Tate Modern im Jahr 2012 aussehen

Nicht oft sieht man Sir Nicholas Serota zufrieden grinsen. Doch bei der frühmorgendlichen Pressekonferenz grinste der Direktor der Tate über beide Ohren. Kein Wunder, denn nicht jeden Tag bekommt er von der Regierung einen Scheck über 50 Millionen Pfund (ungefähr 69 Millionen Euro), überreicht von Kulturminister James Purnell.

Das Geld ist der Grundstock für die Finanzierung des vom Basler Büro Herzog & de Meuron entworfenen Erweiterungsbaus an der Südseite der Tate Modern. "Die großzügige Subvention zeigt", so Serota, "dass die Regierung die Bedeutung des Beitrags der Kultur für die Gesamtgesellschaft anerkennt." Der Minister gab das Kompliment zurück und pries Serotas Beitrag zur Popularisierung der Kunst. "Ich habe mit dem Gedanken gespielt, ihn unter Denkmalschutz zu stellen, weil er eine solche nationale Kostbarkeit ist."

Die Tate Modern ist mit Abstand das erfolgreichste Museum der Moderne in der Welt. 5,2 Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr. Im Vergleich: Das New Yorker MoMA lockte 2,6 Millionen an, das Centre Pompidou in Paris 2,5 Millionen, obwohl beide größer sind als die Tate Modern, selbst nach Vollendung des Erweiterungsbaus. Doch das Museum war eigentlich für höchstens 1,8 Millionen Besucher konzipiert und ist dementsprechend ständig überfüllt, vor allem an Wochenenden. Und obwohl es wegen seiner regelmäßigen Rotation von Kunstwerken über zwei Jahre etwa 40 bis 50 Prozent seiner Sammlung zeigen kann, sehr viel mehr als vergleichbare Institute, würde es diesen Prozentsatz gerne noch erhöhen. Außerdem möchte Serota die Möglichkeit haben, Schlüsselwerke von bedeutenden Künstlern über einen längeren Zeitraum zu zeigen.

Herzog & de Meurons elfstöckiger Entwurf mit seiner durchsichtigen Haut und den ineinandergeschobenen horizontalen Ebenen soll all dem Rechnung tragen. 23 000 Quadratmeter kommen hinzu, 60 Prozent mehr als bisher. Davon sind 6 000 Quadratmeter Ausstellungfläche, mit unterschiedlichen Galerieräumen. Denn, so Serota, "für eine sich ständig entwickelnde zeitgenössische Kunst in den verschiedensten Medien brauchen wir passende Räume". Selbst die unterirdischen Öltanks des ehemaligen E-Werks Bankside, das zur Tate Modern wurde, sollen zu Ausstellungsräumen umgestaltet werden. Der Rest ist für Büros, Einrichtungen der Museumspädagogik sowie Cafés und Läden vorgesehen.

Der Bau soll 2012 fertig sein, wenn London Austragungsort der Olympischen Spiele ist. Die Kosten belaufen sich nach heutigen Preisen auf 165 Millionen Pfund, etwa ebenso viel wie der Umbau der Tate Modern kostete. Setzt man die Preise von 2012 an, erhöht sich das auf 215 Millionen. Sieben Millionen hat die Stadt London schon für die Anfangsphase des Projekts zur Verfügung gestellt, der Bankier und Philanthrop John Studzinski stiftete fünf Millionen. Der Beitrag und damit die Unterstützung der Regierung erleichtern es Serota, sich für finanzielle Hilfe an private Mäzene zu wenden. Schon hat er einige feste Zusagen für erhebliche Summen und ist überzeugt, dass er rechtzeitig ans Ziel kommen wird. Bisher hat er eigentlich immer alles ereicht, was er anstrebte.