Großbaustelle Miami - Messe

Hochhaustrophäen

Nach den Kunststars kommen jetzt die Stararchitekten: 08/15-Hochhäuser sind out, in Miami werden Häuser jetzt als Trophäen gebaut. Unsere USA-Korrespondentin Claudia Bodin stellt die wichtigsten vor.

Es ist ein Stararchitekten-Aufmarsch wie in Abu Dhabi: Anlässlich der Messe in Miami reisten die Architekten Richard Meier, Elizabeth Diller und Ricardo Scofidio an, um neue Projekte vorzustellen.

Ob Zaha Hadid, Herzog & de Meuron, Foster und Partners oder der dänische Nachwuchsstar Bjarke Ingels von BIG, sie alle arbeiten an Projekten in Miami. Die Stadt an der Atlantikküste gleicht einer großen Baustelle. Es entstehen Winterresidenzen für die reiche Kundschaft aus aller Welt. Alte Hotels werden entkernt, um ihnen neuen Glanz zu verleihen. Die Investoren, die auf Miami als Luxushochburg setzen, stammen aus allen Teilen der Welt. Dass Miamis Baulöwen nach Jahrzehnten der Einheits-Hochhäuser für Ruheständler jetzt auf ”Starchitekten“ und ”trophy buildings“ mit Multimillionen-Dollar-Blick setzen, hat natürlich mit der neuen, anspruchsvollen Klientel zu tun und damit, dass heute ein Projekt große Namen braucht, um sich gut vermarkten zu lassen. Hier sind einige der Großprojekte, die Miami in den nächsten Jahren verändern werden.

Zaha Hadids Downtown-Tower

62 Stockwerke mit insgesamt 83 Luxuswohnungen zu Preisen zwischen fünf und 15 Millionen Dollar im One Thousand Museum Tower am Biscayne Boulevard. Hadids 215 Meter hoher Turm in Downtown Miami wird von einem Skelett umschlossen, das in seiner Form an ein Raumschiff in einem Science-Fiction-Film erinnert und sich deutlich von der Miami-Beach-Architektur abhebt. Zum Luxusleben gehören Privatfahrstühle, ein Hubschrauberlandeplatz, eine Zigarren-Lounge, Billard-Räume sowie Terrassen und Räumlichkeiten für Events auf dem Dach.

Twisters von der Bjarke Ingels-Truppe

Hinter dem Projekt steckt der in Israel geborene, in Brooklyn aufgewachsene Investor Asi Cymbal, der mit einer Facebook-Fanpage im Internet vertreten ist. Cymbal holte sich den angesagten dänischen Architekten Bjarke Ingels, um Luxus-Eigentumswohnungen in der mittleren Preisklasse am Coconut Grove zu bauen – es geht mit Apartments zu Preisen von drei Millionen Dollar los. Die beiden Tower drehen sich um ihre eigene Achse und sehen aus, als tanzten sie zwischen den Palmen an der Grand Bay.

Rat-Pack-Glamour

Das ehrgeizigste Projekt betreibt der argentinische Investor Alan Faena, der gern im Panamahut zum weißen Outfit auftritt und eine Nachbarschaft in Buenos Aires mit einem Luxuskomplex verwandelt hat. Für sein auf 550 Millionen Dollar angesetztes Miami-Projekt an der Collins Avenue, das von dem in London lebenden Milliardär Len Blavatnik unterstützt wird, holte er Norman Foster und Rem Koolhaas an Bord. Geplant sind exklusive Residenzen, ein Luxushotel, Restaurants, ein Moulin-Rouge-Cabaret, Künstlerresidenzen und ein etwas preisgünstigeres Hotel. Für das Innendesign (bis zum Entwurf der Uniformen) wurden Filmregisseur Baz Luhrmann und dessen Frau, die Kostüm- und Setdesignerin Catherine Martin, engagiert. Der Regisseur von Filmen wie Moulin Rouge und der Neuauflage von Great Gatsby lässt sich vom Glamour aus Zeiten der Rat-Pack-Ära in den fünfziger und sechziger Jahren inspirieren, in der Frank Sinatra und seine Gang in Miami feierten. Der Preis für ein Duplex-Penthouse im vom Foster + Partners designten Komplex am Strand von Miami Beach liegt bei 50 Millionen Dollar.

Herzog & de Meurons Jade-Tower

Das Architekturbüro hatte den schlanken Turm eigentlich in rohem Beton bauen wollen – und einigte sich mit dem Bauherren, dem in Argentinien geborenen Condo-King Edgardo Defortuna, der die lateinamerikanische Kundschaft bedient, auf eine strahlend weiße Fassade. Der Turm am Sunny Isles Beach ist so schmal konstruiert, das sich die meisten Apartments über das komplette Stockwerk erstrecken. Einen Großteil der Wohnfläche machen Terrassen aus. Herzog & de Meuron eröffneten auch ihren Bau für das Perez Art Museum Miami (PAMM).

Richard Meiers Privatclub

Winston Churchill malte in dem exklusiven Surf Club Aquarelle, Elizabeth Taylor und Frank Sinatra stiegen hier ebenso ab wie die Herzogin und der Herzog von Windsor. Pritzker-Preisträger Richard Meier soll dem Surfclub an der Collins Avenue neues Leben einhauchen. Der 1929 von Russell Pancoast gebaute Club wird restauriert, alte Beach-Cabanas werden nicht nur instand gesetzt, sondern auf dem Grundstück quartiert. Der alte Ballsaal bleibt erhalten. Der Club wird um drei neue Glasgebäude erweitert, eines davon wird ein Hotel beherbergen. Richard Meier und seine Tochter Ana sind auch für die Inneneinrichtung zuständig.

Coconut Grove

Eines der ältesten Viertel von Miami, in dem schon Tennessee Williams oder Madonna wohnten, soll wiederbelebt werden. Schließlich galt es zur Blütezeit der Wirtschaft bis 1900 als das bevorzugte Reiseziel der Reichen, erlebte später in den Sechzigern Hochzeiten als Hippieviertel und war in Miamis wilden Kokain-Zeiten in den Achtzigern das Zuhause des legendären Nachtclubs Mutiny. Eine Investmentgruppe aus Süd-Florida erwarb eines der letzten freien, am Wasser gelegenen Grundstücke (für 55 Millionen Dollar) und schrieb einen Architekturwettbewerb aus, an dem OMA und damit Rem Koolhaas, Jean Nouvel, Christian de Portzamparc und Diller Scofidio & Renfro teilnahmen. Der Zuschlag ging an OMA und den Entwurf von sechs schlanken Türmen mit Glasfronten, die sich von den Böden bis zur Decke erstrecken.

Und das neue Messezentrum

Das Architektenteam OMA/Rem Koolhaas erhielt auch den Zuschlag für das wichtigste Gebäude von Miami: Das Messezentrum, in dem die Art Basel Miami Beach jeden Dezember steigt und mit dem die Miami-Renaissance eingeleitet wurde, soll komplett umgebaut werden. Aus dem alten, hässlichen Kasten mit den Las-Vegas-Teppichböden und dem Charme eines Bowling Centers soll ein schwungvolles, kurvenreiches Gebäude inmitten einer Parkanlage werden, über dem ein Hotel mit 800 Zimmern schwebt. OMA setzte sich mit seinen Ideen gegen das preiswertere Konzept von der jungen Konkurrenz von BIG durch. Die Schweizer Messeleitung überlegte wegen des Bauprojekts ernsthaft, ihre Verkaufshow in eine andere US-Stadt zu verlegen. Doch man einigte sich auf einen reibungslosen Ablauf. Wenn alles nach Plan gehen sollte, sind die Renovierungs- und Ausbauarbeiten 2018 abgeschlossen.