Ai Weiwei

Bregenz

Klarheit und Einfachheit
Nationalstadion Peking für die Olympischen Spiele 2008, 10.7. 2006. (Courtesy of Ai Weiwei)

KLARHEIT UND EINFACHHEIT

Mit den Architekturprojekten widmet sich die Schau einem wenig beachteten Aspekt im Werk des chinesischen Konzeptkünstlers und Regimekritikers
// ALMUTH SPIEGLER

Die Ausstellungsvorbereitungen ähnelten einem Krimi, gesteht Kurator Rudolf Sagmeister. Details will er keine nennen, um dem im April dieses Jahres in Peking festgenommenen und erst Ende Juni wieder freigelassenen chinesischen Künstler Ai Weiwei (Jahrgang 1957) nicht zu schaden.

Jedenfalls war die Konzeption der Schau im Kunsthaus Bregenz über die Architektur-Kooperationen des Regimekritikers vor seiner Verhaftung bereits größtenteils abgeschlossen, am 16. Juli wurde sie im Kunsthaus Bregenz eröffnet. Fast wie geplant.

Nur dass der Künstler nicht anwesend war, er wird Peking wohl ein Jahr lang nicht verlassen dürfen. Interviews darf er ebenfalls keine geben. Was die während seiner Gefangenschaft noch vom Kunsthaus angeforderten Solidaritätsstatements von Künstlern wie Jenny Holzer oder Olafur Eliasson also nicht völlig obsolet erscheinen lässt. Sie werden in Absprache mit dem Künstler nach seiner Freilassung zwar in einer anderen Form verwendet. „Free Ai Weiwei“ aber trotz allem – wie die Kunsthaus-Belegschaft selbst es als 30 Meter langem Schriftzug auf dem Dach fordert. „Es ist schließlich eine sehr eingeschränkte Freiheit, die Ai Weiwei jetzt hat“, so der Direktor des Kunsthauses Yilmaz Dziewior.

Im Trubel der Aktualität droht allerdings der Inhalt der Ausstellung beinahe unterzugehen: Dabei wird in Bregenz erstmals ein bisher weniger beachteter Aspekt des Werks des Konzeptkünstlers beleuchtet. „Außer dem Pekinger Olympiastadion kennt man in der Kunstszene eigentlich nichts von Ai Weiweis Architekturprojekten“, meint Sagmeister. Das mit den Architekten Herzog & de Meuron gebaute olympische „Vogelnest“ dominiere das Bild von Ai Weiweis spartenübergreifendem Engagement, das vor allem durch „Klarheit und Einfachheit“ geprägt sei. Im Zentrum der gemeinsam mit Dziewior kuratierten Ausstellung aber wird das aktuellste Projekt stehen, ein riesiges neues Holzmodell von „Ordos 100“. Für diese aus der Wüste gestampfte Stadt im Südwesten der Mongolei hat Ai Weiwei vor drei Jahren 100 junge Architekturbüros aus der ganzen Welt (bis auf China) eingeladen, Villen, ein Museum, ein Opernhaus und andere Bauten zu planen. Auf einem 90 Meter langen Fries werden sie alle in der Ausstellung vorgestellt. Das oberste Stockwerk füllt die Installation „Moon Chest“, acht große, an Hochhäuser erinnernde Holzschränke mit Löchern in der Mitte, die verschiedene Mondphasen darstellen.

Für Österreich ist diese Ausstellung jedenfalls die Chance, den berühmtesten chinesischen Künstler von einer ganz an-deren Seite zu sehen. Kennt man doch seinen Namen in Österreich seit vorigem Jahr vor allem von negativen populistischen Schlagzeilen, als er einen Felsbrocken aus einem chinesischen Erdbebengebiet einschiffen und mittels Hubschrauber auf den höchsten Berg der Steiermark, den Dachstein setzen ließ.

Ai Weiwei in Bregenz

Die Ausstellung läuft bis zum 16. Oktober im Kunsthaus Bregenz. Der Katalog erscheint im August und kostet 42 Euro.

Das Fotomuseum Winterthur zeigt Fotografien von Ai Weiwei (bis 21. August).

http://www.kunsthaus-bregenz.at

Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

José Luis

18:02

29 / 07 / 11 // 

Ein Scharlatan wird entlarvt

Das Kunsthaus Bregenz erforscht die architektonischen Aspekte im Werk von Ai Weiwei. Dabei missbraucht die Ausstellung den Künstler zu Marketingzwecken, meint F. Hanssen: http://www.zeit.de/kultur/2011-07/ai-weiwei-bregenz

Abo