Highline-Park

New York

Grünes Fest für Voyeure
Zwischen der West 20th und West 30th Street: Entspannen auf dem Rasen (picture alliance/Photoshot )

GRÜNES FEST FÜR VOYEURE

Es ist der Blockbuster des Sommers: Der zweite Teil des Highline-Parks wurde eröffnet. art-Korrespondentin Claudia Bodin berichtet
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Der zweite Teil des Highline-Parks ist der wahre Blockbuster dieses New Yorker Sommers. Auch die Produktionskosten befinden sich mit 152 Millionen Dollar auf dem Niveau eines großen Hollywood-Films. Mehr als vier Millionen Besucher zog die Touristenattraktion auf Stelzen bereits seit der Eröffnung des ersten Abschnitts im Juni 2009 an. Längst überlegen andere Städte wie Detroit, Philadelphia, Atlanta und Chicago, ob sich das New Yorker Erfolgskonzept, das ordentlich Geld bringt und gleichzeitig eine grüne Oase für die Bewohner schafft, kopieren lässt.

In den nächsten 30 Jahren werden dank der Highline Steuereinnahmen von 900 Millionen Dollar und private Investitionen von vier Milliarden erwartet, errechnete die New Yorker Stadtverwaltung.

Der Park erstreckt sich nun von der Gansevoort Street im ehemaligen Schlachterei-Viertel bis zur 30th Street und ist mit insgesamt 1,6 Kilometern doppelt so lang. Teil zwei der zwischen 1929 und 1934 errichteten Hochbahntrasse, über die früher die Waggons mit Viehtransporten in Richtung Meatpacking District fuhren, hat einen ganz besonderen Charme. Der Stelzenpark schlängelt sich weitaus enger an den glänzenden Neubauten und alten Gebäuden vorbei. So dass die Besucher einen hervorragenden Blick auf die noch nicht mal ausgepackte Miele-Waschmaschine in der Küche eines der teuren Condo-Buildings haben und den Bewohnern beim Sonnenbaden auf ihrer Terrasse auf den Bauchnabel gucken können. Es ist ein Fest für Voyeure.

Das Team von Diller Scofidio + Renfro und James Corner Field Operations ließ wieder schöne Holzbänke zimmern, die sich wie in einem Theater auf mehreren Rängen befinden. Es gibt eine Rasenfläche für Picknicks. Dicht mit Bäumen bepflanzte Abschnitte geben einem noch mehr das Gefühl, die lärmende Stadt hinter sich zu lassen. Der ”Falcone Flyover” Fußgängerweg, über den die Besucher wie über einen Laufsteg flanieren, wurde zusätzlich angehoben und verläuft über Pflanzenbeeten, die man durch die Stahlplatten sehen kann. Und es gibt wieder eine Spielerei mit einer Werbetafel, von der nur noch der Rahmen übrig blieb und durch den man wie im Kino auf den Verkehr auf der 10th Avenue blickt.

Eröffnet wurde mit einer Arbeit, die zurückblickt und vor 40 Jahren das erste Mal in New York Premiere feierte: Trisha Browns ”Roof Piece“, bei der die Tänzer ihrer Truppe auf Dächern rund um die Highline und im Park stationiert waren und voneinander die Bewegungen kopierten. Am Ende der neuen Highline warten ein Biergarten und die ”Rainbow City“ des Kunst- und Design-Kollektivs Friends With You auf die Besucher, wo Erwachsene und Kinder in pilzförmige Hüpfburgen kriechen und mit überdimensionalen Bällen spielen. Der letzte Abschnitt zur 30th Street hat so gar nichts mit dem schillernden, wohlhabenden Chelsea zu tun. Eine grüne Zone wird hier, wo sich New Yorks Architektur von seiner hässlichen Seite zeigt, dringend gebraucht. Und man sieht die Überreste der alten Trasse, die sich weiter bis zur 34th Street zieht. Wann und ob dieses letzte Stück New Yorker Geschichte ebenfalls verschönt werden soll, ist unklar. Die jährlichen Instandhaltungskosten der jetzigen Anlage werden auf bis zu 4,5 Millionen Dollar geschätzt. Vielleicht bleibt die überwucherte Trasse einfach als Erinnerung an die alten Zeiten stehen.

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