Urban Future Award

London

Grün, geräuschlos, abgasfrei
Entwurf vom Büro "standardarchitecture" aus Bejing für den "Urban Future Award" (Courtesy Standardarchitecture)

GRÜN, GERÄUSCHLOS, ABGASFREI

Sechs internationale Architekturbüros, die für den vom Automobilhersteller Audi ausgelobten Urban Future Award nominiert wurden, haben in London ihre ersten Vorstellungen von individueller Mobilität in der Stadt der Zukunft vorgestellt.
// HANS PIETSCH, LONDON

"Um die automobile Zukunft zu gestalten, ist es wichtig, Trends zu analysieren und über den eigenen Tellerrand hinauszublicken", sagte Audis Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler in seinem Geleitwort. Deshalb wollen die Autobauer aus Ingolstadt über den Urban Future Award mit Architekten aus verschiedenen Kulturkreisen ins Gespräch kommen.

"Bisher hat das Auto das Aussehen unserer Städte bestimmt", meinte Kurator Christian Gärtner von der Frankfurter Gruppe Stylepark. "In Zukunft könnte die Struktur der Stadt bestimmen, welche Art von Mobilität wir entwickeln." Nach einem Besuch bei Audi in Ingolstadt, wo sie sich zum ersten Mal mit den Autodesignern austauschen konnten, und einem internen Workshop im Londoner Design Museum stellten die sechs Architekten im Gebäude der britischen Architektenvereinigung RIBA ihre ersten Gedanken der Öffentlichkeit vor. Und siehe da: Wenig war die Rede von Architektur, wenig davon, wie sie sich die Gebäude der Zukunft vorstellen, sondern mehr vom Auto und wie es sich entwickeln könnte. Grün, geräuschlos, abgasfrei soll es sein, darüber waren sie sich alle einig, doch danach gingen die Vorstellungen in die verschiedensten Richtungen.

Die Londonerin Alison Brooks erschlug ihre Zuhörer fast mit apokalyptischen Zahlen: Wenn wir nicht schnell handeln, so glaubt sie, werden die drei Milliarden Autos im Jahr 2050 die heute schon verstopften Ballungsgebiete der Welt völlig zum Stillstand bringen. Zwei ihrer Lösungen: Kleinstwagen und tragbare Armaturenbretter, die sich überall in Fahrzeuge einstöpseln lassen. Einen Schritt weiter ging Bjarke Ingels vom Kopenhagener Büro BIG. Er plädierte für fahrerlose Autos, die leise und umweltfreundlich durch unsere Städte gleiten. Jürgen Mayer H. aus Berlin will in dem "Märchen", das er erzählte, diese automatischen Vehikel auf unsere Innenstädte beschränken, sodass wir sowohl auf Verkehrszeichen als auch auf Straßenlampen werden verzichten können.

"Dialog zwischen zwei getrennten Sphären"

Eine wahre Utopie entwickelte der in New York ausgebildete Zhang Ke vom Büro Standardarchitecture aus Bejing, wie James Dean in Jeans und weißem T-Shirt. Seine Stadt der Zukunft mit moosbewachsenen Wolkenkratzern nannte er "Harmonisches Beijing". Die sie umgebendenen Ringstraßen stellte er sich als gigantische Laufbänder vor, auf denen sich seine wie durchsichtige BMW Isettas aus Plexiglas aussehenden "Audi Bubbles" einzeln oder aneinandergekoppelt wie von Geisterhand gezogen bewegen. Sein abschließendes Video, mit Revolutionsmusik und heroischen Arbeiter- und Bauernfiguren, war wohl eher ironisch gemeint. Wie auch Bjarke Ingels von BIG seine Ausführungen mit dem Slogan "Mess is More" beendete.

"Der Prozess ist uns ebenso wichtig wie der Preis selbst: der Dialog zwischen zwei für gewöhnlich getrennten Sphären," meinte Kurator Christian Gärtner. Doch am Ende dieses Prozesses wird die zehnköpfige Jury des mit 100 000 Euro dotierten Preises einen Sieger küren, der im August anlässlich der 12. Architekturbiennale im Rahmen einer Ausstellung in der Scuola della Misericordia in Venedig bekanntgegeben werden soll.

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