Biennale
São Paulo
In Oscar Niemeyers futuristischem Biennale-Pavillon im Parque de Ibirapuera bedeckt ein 36 Meter langer schwarz-rot-goldener Teppich die Wand und den Raum, die drei Worte „pünktlich, ordentlich, zuverlässig“ sind darin eingewebt. Die Projekte deutscher Architekten sind auf Bildschirmen zu sehen, die in Leichtmetallkoffer montiert und auf dem Teppich verteilt wurden. Sie lassen sich mit den plakativ zitierten Eigenschaften nicht ganz in Einklang bringen.
„Ordentlich“? Der von Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurts, und Kuratorin Anna Hesse organisierte deutsche Beitrag kommt eher frech und provokant daher: Bei den Arbeiten der 16 Architekturbüros, die Schmal und Hesse ausgewählt haben, geht es um technische Innovation, Detailbewusstheit und hohe Umweltstandards.
Zu sehen sind Dokumentationen, Pläne und Simulationen von Architekturgranden wie dem Büro Behnisch Architekten aus Stuttgart und dem britisch-berlinerischen Duo Sauerbruch Hutton. Gezeigt werden je ein deutsches und ein internationales Projekt: Behnisch Architekten sind mit dem stählernen „Haus im Haus“ der Hamburger Handelskammer und dem weitläufigen „Allston Science Complex“ der Universität Harvard in Cambridge/Massachusetts vertreten, Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton mit dem farbenfrohen Campusprojekt „Jessop West“ der Universität in Sheffield und dem Umweltbundesamt in Dessau, dessen ökologiebewusste Bauweise weltweit Aufsehen erregt. Das Hamburger Büro Carsten Roth zeigt den expressiv gestalteten Firmensitz der „Norddeutsche Vermögen Rolandsbrücke“ in Hamburg und das Projekt für den Hauptsitz der „Volksbank“ in Wien, das Büro Kirsten Schemel aus Berlin die schlicht-edlen Umbauten der Häuser Arne Jacobsen und Johannes Krahn und das in die idyllische Hügellandschaft geschmiegte Nam June Paik Museum im südkoreanischen Yong-In – gemeinsam mit Arbeiten aus Büros wie Barkow Leibinger (Berlin), BeL (Köln) und Ingenhoven (Düsseldorf).
„Architektur: das Öffentliche und das Private” lautet das Motto der diesjährigen Architekturschau in São Paulo. Die existiert seit 1973 und ist nach der Architektur-Biennale von Venedig die zweitgrößte der Welt. Kurator José Magalhães Júnior hat über 1000 Projekte versammelt und einen internationalen Wettbewerb für Architekturschulen ausgeschrieben, Ausstellungen von Städteporträts des brasilianischen Fotografen Salvino Campos, zum 100. Geburtstag von Niemeyer und über das Werk des letztjährigen brasilianischen Pritzker-Preisträgers Paulo Mendes da Rocha mit noch nicht realisierten Städtebauprojekten organisiert und 13 Nationen für Länderbeiträge eingeladen. Ausgangspunkt für Magalhães’ Ansatz war die brasilianische Situation: „Urbane Projekte und die Architektur selbst sollen idealerweise Beziehungen zwischen Öffentlichem und Privatem herstellen. Dieses Einverständnis über die Bestimmung öffentlicher Räume gibt es in den brasilianischen Metropolen aber noch nicht.”