Sperrholz-Ausstellung in London

Leicht, robust, billig

Plywood, zu deutsch: Sperrholz. Aus Rohstoffmangel setzte man es während des zweiten Weltkriegs im Flugzeugbau ein, später entdeckten es Designer wie Alvar Aalto oder das Ehepaar Eames als flexibles Material für ihre Möbelentwürfe. Eine Ausstellung im Londoner Victoria & Albert Museum richtet den Blick auf den für die Designgeschichte so wichtigen Werkstoff.
Leicht, robust, billig

Weil es an Metall mangelte, bestand der britische Bomber "De Havilland Mosquito" zu großen Teilen aus Speerholz

Ein in Form von Platten hergestelltes Material aus dünnen Schichten Holz, die in quer zueinander verlaufender Faserrichtung aufeinandergeleimt sind«, so erklärt der Duden den Begriff "Sperrholz". Das leichte, robuste und billige Material, das schon in ägyptischen Grabanlagen entdeckt wurde, fand seit dem 19. Jahrhundert im Möbeldesign und Hausbau Verwendung. In seiner Ausstellung "Plywood" zeigt das Victoria & Albert Museum in London anhand von mehr als 120 Beispielen die große Vielseitigkeit des wenig beachteten und doch bis heute so wichtigen Sperrholzes.

Eine von dem Briten Henry Faveryear 1817 patentierte, auf dem Rotationsprinzip beruhende Schneidemaschine revolutionierte die industrielle Herstellung von Furnierblättern, die dann zu Sperrholz verleimt wurden. Eine weitere Innovation, die die Entwicklung voranbrachte, war die Formung der Platten, die so zu Sitzen und Rückenlehnen von Stühlen verarbeitet werden konnten. Aber auch für ungewöhnliche Projekte eignete sich das verleimte Holz: In New York wurde 1867 aus Sperrholz eine riesige Röhre gebaut, in der eine experimentelle Hochbahn lief. 1917 entstand das erste Kanu aus Sperrholz, das mangels Metall teilweise aus Sperrholz hergestellte Flugzeug "de Havilland Mosquito" wurde vor allem im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, und in den Sechzigern entstand ein britischer Rennwagen mit einem Chassis aus Sperrholz.

Im kleineren Format war Sperrholz zunächst bei der Produktion von Hutschachteln gefragt und später als Material für Surfbretter und Skateboards beliebt. Eine Blütezeit erlebte das verleimte Holz ab den zwanziger und dreißiger Jahren. Architekten und Designer wie Alvar Aalto in Finnland, Marcel Breuer am Bauhaus in Weimar, Charles und Ray Eames in den USA und Robin Day in Großbritannien entwarfen aus "Plywood" vor allem schicke Möbel: Breuers B34-Stuhl und Aaltos Sitz Paimio sind heute Ikonen des Möbeldesigns.

Inzwischen hat auch die neueste Computertechnik die Verwendbar-keit des billigen Stoffs entdeckt. So produzieren CNC-Schneidemaschinen komplizierte Formen aus Sperrholz, die dann in die digitale Herstellung einfließen.

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