Stella unter Druck

Stadtschloss



"MEHR HABE ICH NICHT ZU SAGEN"

Am Montag berichteten art und "zitty" über Zweifel am Berliner Architekturwettbewerb für den Neubau des Stadtschlosses: Der Gewinner Franco Stella aus Italien hat möglicherweise die formalen Kriterien zur Wettbewerbsteilnahme nicht erfüllt. Der Beitrag fand ein großes Echo in den Medien, die Öffentlichkeit beschäftigt sich nun intensiv mit der Frage: Wie genau nimmt es das Bauministerium mit der Einhaltung der Regeln bei einem politisch symbolträchtigen Mammutprojekt? Der Architekt selbst weigert sich indes, Transparenz herzustellen.
// KITO NEDO, DANIEL BOESE, BERLIN

Der Architekt Franco Stella und das Bundesbauministerium geraten unter Druck, Zweifel am Wettbewerb zum Bau des Humboldt-Forums auszuräumen. Hermann Parzinger, als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz der spätere Hauptnutzer des Humboldtforums, fordert im Interview mit dem "Tagesspiegel" Klarheit: "Bei einem für die Bundesrepublik so bedeutenden Projekt sollte alles sehr korrekt ablaufen, ich bin gespannt auf die Reaktionen der Verantwortlichen." Auch Peter Hettlich, der baupolitische Sprecher der Grünen, forderte in einer kleinen Anfrage die Bundesregierung auf, darzulegen, wie Stellas Angaben durch den Bund geprüft wurden und welche Konsequenzen aus den Zweifeln an Stellas Teilnahmeberechtigungen gezogen würden.

Laut Ausschreibung waren entweder ein durchschnittlicher Mindestumsatz des teilnehmenden Büros oder eine Mindestanzahl fest angestellter Mitarbeiter zu erreichen. Stella räumte ein, dass er eines der Kriterien nicht erfülle. Durch seinen Berliner Anwalt Michael Pietzcker ließ der Architekt mitteilen, er habe nicht den geforderten Umsatz von durchschnittlich 300 000 Euro erlangt: "Das Kriterium Umsatz hat Herr Stella nicht erreicht." Bezüglich der Mindestanzahl von einem Inhaber und drei fest angestellten Architekten sagte Pietzcker: "Die von Herrn Stella seinerzeit gemachten Angaben haben wir nochmals zusammen mit ihm überprüft. Sie sind richtig." Wie viele Mitarbeiter Stella genau hatte, sagte der jedoch Anwalt nicht. "In den Jahren 2004 bis 2006 variierte die Anzahl der Mitarbeiter", so der Anwalt. "Das in der Ausschreibung geforderte Kriterium von vier Architekten einschließlich Büroinhabern wurde im Durchschnitt erreicht."

Auch bei der Angabe, welche Projekte Stellas Büro bearbeitet habe, blieb Pietzcker vage: "Es gab und gibt eine Vielzahl von Projekten, die sowohl durchgeführt wurden als auch in der Planung sind." Konkrete Namen und Orte nannte er nicht. Franco Stella selbst sieht sich zu Unrecht kritisiert, er sagte art und "zitty" in einem Telefoninterview: "Die Vorwürfe sind falsch. Ich habe mich den Regeln entsprechend verhalten. Mehr habe ich nicht zu sagen."

Rainer Lingenthal, Pressesprecher des Bauministeriums, versuchte die Zweifel an der rechtmäßigen Verfahrensdurchführung auszuräumen, konnte dabei aber keine Sachbeweise vorlegen: "Es liegt eine von Franco Stella unterschriebene Selbstauskunft vor, nach der die Bedingungen für die Teilnahme am Wettbewerb Humboldt-Forum erfüllt sind. Auf diese Angaben haben wir wie bei allen anderen Wettbewerbsteilnehmern vertraut." Ob das Ministerium nun eine Nachprüfung der Größe von Stellas Büro anstrebt, ließ der Sprecher jedoch offen. Bis jetzt vertraut es auf die Angaben von Stella, ohne deren sachliche Richtigkeit zu prüfen.

Das Staunen unter Architekten über den laxen Umgang des Bundesbauministeriums bei der Vergabe eines solch prestigeträchtigen Projekts hält indes an: "Beim Bau des Bundesnachrichtendienstes an der Chausseestraße mussten wir sogar die Sozialversicherungsnachweise sämtlicher Mitarbeiter vorlegen", erklärte etwa der Berliner Architekt Jan Kleihues gegenüber der "Berliner Morgenpost".

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1 Leserkommentar vorhanden

Michael v.Seydlitz

14:42

03 / 07 / 09 // 

Ideologie der fehlerfreien Ausschreibung

Ob der Architekt Stella nun ökonomisch Nutznießer bleibt oder nicht, Fakt ist, dass Entwurf und Konzept mit Abstand vor allen anderen die Jury begeistert haben. Mit der Umsetzung sind große Büros betraut. Man weiß deshalb nicht, was einen zuerst ärgern sollte: Der Berliner Architektenklüngel, der natürlich einem Außenseiter aus Italien einen solchen Prestigebau nicht vergönnt oder der Berliner Ex-Baudirektor, Herr Stimman, der das Büro Stella womöglich seinerzeit überredet hatte, sich zu beteiligen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz scheint jedenfalls mit dem Kleinarchitekten, Herrn Stella, äußerst zufrieden zu sein. Und wenn schon! Wenn seinerzeit ein Mitarbeiter weniger im Büro gesessen haben sollte, wer sollte das beurteilen? Im Gegenteil, um so respektabler wären doch in Wirklichkeit Leistung und Ergebnis zu beurteilen.

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