Ieoh Ming Pei wird 100

Modern, aber herzlich

Happy 100: Ieoh Ming Pei baut Häuser, die Menschen lieben können. Der Architekt steht für ein eher paradoxes Epochen-Resümee der Moderne.
Modern, aber herzlich

Architekt I.M. Pei vor seinem bekanntesten Entwur, der Pyramide des Pariser Louvre

Sein erster Entwurf für ein realisiertes Gebäude entstand 1954, eine Kapelle in Taiwan. 2012 wurde sein letzter Entwurf eröffnet: wieder eine Kapelle, nun in Japan. So schließt sich ein Kreis, und das ist passend für einen Architekten, der nach dem Prinzip entworfen hat, dass "Geometrie die treibende Kraft der Architektur" sei. Ieoh Ming Pei, geboren am 26. April 1917 in Guangzhou und lebenslang in New York tätig, hat das ganze Jahrhundert der Moderne durchmessen und mitgestaltet. Trotzdem ist das einzig typisch "Moderne" an ihm seine Le-Corbusier-Brille.

Modern, aber herzlich

Das National Center for Atmospheric Research in den Rocky Mountains erinnert an die Baukultur der Pueblos

Als Pei 1935 in die USA zum Studieren kam, waren zwei Vorträge des Schweizer Architekten sein größtes Glück. Doch der Fan wurde nie Vollmitglied des Gesinnungsclans. Peis Entwürfe wie die Louvre-Pyramide oder der Bank of China Tower in Hongkong, die Erweiterung des Deutschen Historischen Museums in Berlin oder die Rock & Roll Hall of Fame in Cleveland sind nicht Ausdruck eines Programms, sondern seiner Herzlichkeit.

Modern, aber herzlich

Erweiterungsbau des Deutschen Historischen Museums in Berlin

"Architektur ist für die Leute", sagt der Junggebliebene mit dem ansteckenden Lachen, der sich, anders als seine Kollegen vom "International Style", stets für die Kultur interessiert hat, in der er baute. Für das Museum für Islamische Kunst in Doha, den letzten spektakulären Bau aus seinem Zeichenblock, studierte er den Islam, für ein Forschungsgebäude in den Rocky Mountains die Baukultur der Pueblos. Mit seinem Gespür für die Schlüssigkeit klarer Formen komponierte er dann aus dem Gelernten und seiner geometrischen Originalität komplexe Bauten, die Menschen lieben können.

Als letzter Mohikaner der Ur-Moderne steht der stets bescheiden auftretende Hundertjährige also für ein eher paradoxes Epochen-Resümee: Am besten war die Moderne, wo sie untypisch blieb. Pei sei Dank.

Rubrik Architektur
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