Prestige-Tower für Trump-Schwiegersohn

666 Fifth Avenue, Dildo des Teufels

New York ist bald um einen superschlanken Skinny-Tower reicher. Der Entwurf, den Zaha Hadids Architekturbüro für das Ex-Unternehmen von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner vorgelegt hat, sorgt derzeit allerdings für Spott im Netz.
666 Fifth Avenue, Dildo des Teufels

Dildo des Teufels, Swarowski-Phallus oder Stinkefinger: Entwurf vom Zaha-Hadid-Büro für Prestige-Projekt des Bau-Unternehmens Kushner Companies.

Der Entwurf für den Super-Tower könnte einem Science-Fiction-Comic entnommen worden sein. Dabei handelt es sich um ein Prestige-Projekt für das Bau-Unternehmen Kushner Companies, das vor gar nicht allzu langer Zeit von Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner geleitet wurde. Das Modell für das 7,5-Milliarden-Dollar-Projekt auf der Fifth Avenue stammt von dem Architektur-Büro der kürzlich verstorbenen Zaha Hadid und reiht sich bei den neuen Skinny-Towers ein – extrem schlanke, hohe und kostspielige Gebäude, mit denen Geld und Macht demonstriert wird. Eine Frau kann niemals zu dünn sein und niemals zu viel Geld haben, kommentierte der Architekturkritiker Paul Goldberger. Und das würde inzwischen auch für die Skyscraper von New York City gelten.

Die Pläne wurden dennoch auf Twitter als Dildo des Teufels, als Swarowski-Phallus oder Stinkefinger verspottet und mit dem Turm des Dunklen Herrschers in „Herr der Ringe” verglichen. Kurz nachdem sie veröffentlicht wurden, stiegen die chinesischen Geschäftspartner aus, mit denen über die Finanzierung des Baus verhandelt wurde. Um Platz für den Skyscraper zu machen, soll das 40-stöckige, vor 60 Jahren errichtete Gebäude in der Nähe von Rockefeller Center und Trump Tower, in dem die Kushner-Firma ihren Hauptsitz hat, bis auf die Stahlpfeiler abgerissen und um weitere 40 Stockwerke aufgestockt werden. Womit der Tower auf 427 Meter anwachsen und damit in die Klasse der Großen (ab 300 Meter) aufsteigen würde. Im Turm soll ein Mix aus Geschäften, Büros, Hotelräumen und Apartments vereint werden.

Angst vor der Zeitbombe
Verzweifelt und hilflos wirken die Aktionen der amerikanischen Kunstszene gegen Donald Trump, der am heutigen Freitag als US-Präsident vereidigt wird. Einige legen die Arbeit nieder, andere demonstrieren offen, manche stellen kritische Arbeiten aus – und Richard Prince erfand eine ganz eigene Form des Protests

Investoren springen ab

Die Verhandlungen mit dem chinesischen Investor Anbang Insurance Group mit engen Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas wurden mit Skepsis verfolgt, weil Schwiegersohn Kushner seinen Einfluss und seine Kontakte in seiner neuen Rolle als Berater des US-Präsidenten nutzen könnte – auch wenn er seinen Anteil am Familienunternehmen im Januar offiziell an seinen Vater verkauft hat. Die New York Times enthüllte außerdem, dass Kushner Companies dringend eine Finanzspritze für das Gebäude benötigt. Mehr als die Hälfte der Büros stehen leer. Nach Berechnungen von Analysten wirft das Gebäude seit Jahren nicht genügend Geld ab, um die Schulden zu decken. Also mussten die Besitzer allein in 2015 mindestens zehn Millionen Dollar zuschießen und verkauften bereits Teile des Gebäudes.

Kusher Companies hatte 666 Fifth Avenue 2007 an Jared Kushners Geburtstag für den damaligen Höchstpreis für ein Büro-Gebäude in New York gekauft. Für die bis dahin im Arbeiterstaat New Jersey ansässige Firma, die mit ihrem Hauptsitz im 15. Stock des Gebäudes einzog, stellte es einen Aufstieg und Neubeginn dar. Jared Kushners Vater Charles war im August 2006 nach 14-monatiger Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und Wahlspenden aus dem Gefängnis entlassen worden.

Die Kushner-Firma verhandelt weiter mit potentiellen Investoren. Wenn das Gebäude in den Bau gehen sollte, handelt es sich nach einem vergleichsweise bescheidenen Wohnhaus mit Luxusapartments an der High Line von Chelsea um das zweite Projekt in New York aus dem Hause von Zaha Hadid. Um die teuflische Zahl 666 loszuwerden soll das neue Gebäude die Adresse 660 Fifth Avenue bekommen.