Eröffnung der Elbphilharmonie

In Hamburg sagt man »Philli«

Vieles an der Elbphilharmonie ist einzigartig und wurde so noch nie gebaut: Vom großen Konzertsaal für 2100 Besucher, der aus Schallschutzgründen vom restlichen Gebäude entkoppelt wurde und auf 362 Stahlfederpaketen ruht über die spektakuläre Glasfassade mit ihren 1096 Fensterelementen bis zur Tube, die 82 Meter lange Rolltreppe, die die Besucher auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe führt. Eine Liste mit spektakulären Attraktionen.
In Hamburg sagt man »Philli«

In unmittelbarer Nachbarschaft zur art-Redaktion (links im Bild) wird am Abend des 11. Januars die »Philli« mit großem Konzert und aufwendiger Lightshow an der Außenfasade eröffnet.

Der große Konzertsaal

Der große Konzertsaal mit Platz für 2100 Besucher ist ähnlich wie die Berliner Philharmonie nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist - nur viel höher und viel steiler.

Aus Schallschutzgründen wurde der 12 500 Tonnen schwere Saal komplett vom restlichen Gebäude entkoppelt und ruht auf 362 Stahlfederpaketen - schließlich soll man während des Konzerts nicht das Tuten von Schiffen hören. Unter der Decke hängt ein riesiger Reflektor, der den aufsteigenden Klang gleichmäßig im Raum verteilen soll. Jeder Zuhörer sitzt höchstens 30 Meter vom Dirigenten entfernt.

Die »Weiße Haut«

Die Innenverkleidung des großen Konzertsaals besteht aus 10 000 Gipsplatten, alle individuell zugeschnitten und unterschiedlich in Form und Größe, Gewicht und Oberflächenstruktur. Sie sollen den Schall optimal reflektieren und die Elbphilharmonie zu einem der zehn besten Konzerthäuser der Welt machen. Entworfen hat die "Weiße Haut" der Japaner Yasuhisa Toyota, der für die Akustik der Elbphilharmonie verantwortlich ist. Ein Ziel seiner Arbeit sei es, dass das Publikum überall im Saal gleich gut höre, "egal, ob jemand in der ersten oder der letzten Reihe sitzt".

Die Glasfassade

Die schillernde Glasfassade besteht aus 1096 einzelnen Glaselementen. Viele davon sind aufwendig gebogen und zum Schutz gegen die Sonne mit einem Raster aus Chrompunkten individuell bedruckt. Jedes Glaselement wiegt etwa 1,2 Tonnen und hält im Stresstest selbst Orkanböen aus. Besonders markant sind die Scheiben der Loggien in den Wohnungen: Mit ihren großen Ausbuchtungen erinnern sie an riesige Stimmgabeln. Die gesamte Fassade entspricht mit rund 21 000 Quadratmetern der Fläche von drei Fußballfeldern. Nach Aussagen der Architekten soll der Eindruck eines riesigen Kristalls entstehen, der den Himmel, das Wasser und die Stadt immer wieder anders reflektiert.

In Hamburg sagt man »Philli«

Querschnitt durch die Hamburger »Philly«

Die Tube

Zweieinhalb Minuten dauert die Fahrt mit der 82 Meter langen Rolltreppe, der sogenannten Tube, die die Besucher auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe führt. Nach Angaben der finnischen Firma Kone ist die zweispurige, konvex gebogene Rolltreppe "die längste Rolltreppe Westeuropas und die weltweit einzige, die einen Bogen beschreibt". Wenn die Besucher die Rolltreppe betreten, können sie noch nicht erkennen, wohin die Reise geht. Durch einen mit Glaspailletten verzierten Tunnel erreichen sie am Ende ein Panorama-Fenster, das den Blick freigibt auf den Hafen. Über eine kleinere Rolltreppe und einigen Stufen gelangt man dann endgültig auf die Plaza.

Die Plaza

Die Plaza, mit 4000 Quadratmetern fast so groß wie der Hamburger Rathausmarkt, ist die öffentliche Aussichtsplattform zwischen dem historischen Kaispeicher und dem gläsernen Neubau. "Wenn man den Kaispeicher sieht als Teil des Hafens und das Konzerthaus als Teil der Stadt, dann wachsen genau an diesem Punkt die beiden Welten zusammen", sagte Ascan Mergenthaler, Projektleiter der Architekten. Von hier kommen die Besucher über geschwungene Treppen zum Großen und zum Kleinen Konzertsaal, zur Gastronomie und zur Lobby des Hotels. Durch zwei riesige Windschotts gelangen die Besucher zum Balkon, der einmal rund um die Elbphilharmonie führt. Da die Kapazität auf der Plaza begrenzt ist, wird der Besuch über Tickets geregelt, Konzertbesucher brauchen kein Extra-Ticket.  DIE ORGEL: "So eine Orgel hab' ich noch nicht erlebt. Der Klang kommt von überall. Der Klang ist rund, warm und hat fantastische Frequenzen", sagt die Titularorganistin der Elbphilharmonie, Iveta Apkalna. Auf einer Fläche von 15 mal 15 Metern erstreckt sich das imposante Instrument, doch nur ein Bruchstück davon können die Besucher sehen - der Rest verschwindet hinter der Wandverkleidung der Elbphilharmonie. Insgesamt 4765 Pfeifen - die kürzeste aus Zinn misst elf Millimeter, die längste aus Holz zehn Meter - zählt die Orgel. Dank einer Sonderbeschichtung dürfen die Besucher einige Pfeifen sogar anfassen - was sonst meist streng verboten ist.

Der Spitzname

Was sagt der Volksmund? "Elbphilharmonie" ist als Rufname definitiv zu lang, da war man sich einig. "Elphi" johlte es deshalb vorschnell auf großgedruckten Überschriften, so solle das Wahrzeichen von nun an heißen. Derweil hatte sich in unmittelbarer Nachbarschaft längst das bedeutend mondänere "Philli" als Abkürzung für das Schmuckstück durchgesetzt. Also Vorsicht: Wer in Hamburg weiterhin von der "Elphi" spricht, outet sich unfreiwillig als Pinneberger.

Hamburgs neue Perle
Von außen strahlt sie schon länger. Jetzt darf die Elbphilharmonie auch mit ihren inneren Werten glänzen. Und das tut sie. Das Gebäude ist schließlich das Kunstwerk geworden, als das es am Anfang in der Phantasie erwuchs. Rundgang durch ein Architektur voller Meeresmetaphern