Frei Otto in Karlsruhe

Häuser, gebaut aus Seifenblasen

Zeltdächer machten den deutschen Architekten Frei Otto berühmt. Nun zeigt eine Ausstellung aus welchen Quellen der Pritzker-Preisträger schöpfte.
Häuser, gebaut aus Seifenblasen

Innenaufnahme der Multihalle während der Aufrichtung der Gitterschale für die Bundesgartenschau 1975 in Mannheim

Kinder hätten ihre Freude gehabt: eine Maschine, die Seifenblasen erzeugt. Eine Drahtschlaufe wurde in die Seifenlauge getaucht – aber wenn die zarte, schillernde Fläche wieder aus dem Wasser auftauchte, begann für Frei Otto die Arbeit. Er baute sich seine Seifenlaugenmaschine, um die Geometrie der fragilen Seifenhaut erfassen und vermessen zu können und somit seine Dächer zu optimieren.

Der Pritzker-Preisträger Frei Otto (1925 bis 2015) war von Haus aus Architekt. "Aber im Grunde war er eine Art Alchemist", meint Georg Vrachliotis, "es ist unglaublich spannend zu sehen, wie erfinderisch er war." Vrachliotis ist Leiter des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau, das Frei Ottos Werkarchiv besitzt, in dem viele noch nie gezeigte Schätze liegen. Die hat Vrachliotis nun hervorgeholt für eine Ausstellung am ZKM – Medienmuseum in Karlsruhe. "Frei Otto. Denken in Modellen" nennt sich die Schau, die in Zusammenarbeit mit der Wüstenrot- Stiftung entstanden ist und einen neuen Blick auf das Werk des innovativen Architekten werfen will. "Bis jetzt wurde er immer über die Endprodukte dargestellt", sagt Vrachliotis, "wir zeigen dagegen eine Art Making-of, die Experimente, die vorausgingen."

Rubrik Architektur
Aktuelle Ausstellungen, Artikel zu Kunst und Geschichte der Architektur und regelmäßige Kolumnen

Denn ob es um die Überdachung des Münchner Olympiageländes ging oder den deutschen Pavillon für die Weltausstellung 1967 in Montreal, Frei Otto konstruierte seine zeltähnlichen Leichtbauten aus Seilnetzen oder Gitterschalen nicht am Reißbrett, sondern entwickelte sie im Experiment. "Die Berechnung war sekundär", sagt Vrachliotis und hält genau das für die einzigartige Leistung des Architekten, dass er "am Modell seine operative Ästhetik entwickelt, die ihn weltberühmt gemacht hat".

An die 400 Modelle aus verschiedensten Materialien befinden sich im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau, 200 davon werden im ZKM nun auf einem 50 Meter langen Tisch präsentiert. Wiederholt nutzte Frei Otto ein Hängemodell, das mit einer Kette an Nägeln befestigt war. Die Form des hängenden Bogens übernahm er für viele seiner Gitterschalenkonstruktionen wie etwa die der Mannheimer Multihalle von 1975. "Die Form hat allein durch das Hängen ihre Idealform gefunden", so der Kurator. Um "den Quellcode seines Denkens" zu vermitteln, hat Vrachliotis Zeichnungen, Skizzen, Pläne ausgewählt. Außerdem hat "Frei Otto fantastische Fotos gemacht von Knochen, Farnen, Blättern. Die Natur war sein Vorbild, die ganze Ökologiebewegung ist bei ihm bereits angelegt." Die Seifenlaugenmaschine ist nicht im Original zu sehen, aber die Fotografien und Filmbeispiele geben Einblicke, wie unkonventionell Frei Otto arbeitete und welch eigenwillige Werkzeuge und Instrumente er konstruierte.

17241
Bild & Text Teaser