KiviK Art Centre - Neueröffnung

Pavillons auf hügeligem Acker

Sune Nordgren, bis 2006 Direktor des norwegischen Nationalmuseums, hat in der Nähe der südschwedischen Stadt KiviK mit dem Aufbau eines Kunstzentrums begonnen
In ländlicher Idylle,:in Südschweden, entsteht ein Kunstzentrum

Landschaftsmalerei in Beton: Objekt von Tom Sandberg und den Architekten von Snøhetta am Kunstzentrum in Kivik

Die Markisen rot-weiß gestreift, vor jedem Fenster ein Blumenkasten, das Haus frisch gestrichen, auf der Auffahrt wächst kein Grashalm, dafür weht eine Flagge auf dem Dachfirst. Wer sich auf dem Weg zum Kivik Art Centre im südschwedischen Kivik macht, steht, bevor er die Kunst anschauen kann, erst einmal mitten auf dem Vorplatz zu einem Bauernhofidyll. Die eigentliche Ausstellung beginnt ein paar hundert Meter weiter auf dem zum Hof gehörigen Acker.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Hier der liebliche Hof, befreit von jedem Dreck, den die bäuerliche Arbeit eigentlich mit sich bringt, dort Pavillons aus rohem Beton mitten auf den hügeligen Acker gestellt, unbearbeitetes Material, das nicht verhehlt, eigentlich nur praktisch, nicht ästhetisch sein zu sollen.

Die Pavillons sind der erste Teil vom neuen Kunstzentrum Kivik Art Centre, das derzeit unter Federführung des Schweden Sune Nordgren an der Südwestküste Schwedens entsteht. Hier, rund anderthalb bis zwei Autostunden von Malmö und der dänischen Hauptstadt Kopenhagen entfernt, will Nordgren, der Ende 2006 seine Position als Chef des norwegischen Nationalmuseums verließ, etwas aufbauen, das eine Kombination aus dem Kunstmuseum Louisiana im dänischen Humlebæk und einem Atelierprogramm werden könnte. Er selber lehnt ab, die dänische Institution als Vorbild zu nennen, sieht aber Ähnlichkeiten.

”Was jetzt hier steht, ist erst der Anfang. Wir planen Unterkünfte für ein artist-in-residence-Programm zu errichten und später dann ein Gebäude für eine Kunsthalle. Alles nah am Meer“, sagt Nordgren. Er ist Kurator des Kunstzentrums, das derzeit von der Region Schonen sowie örtlichen Firmen finanziert wird. Der erste Schritt sind die fünf Pavillons aus Beton, die auf dem zum Hof gehörenden Gelände verteilt stehen. Pavillon ist für den ersten Betonklotz eine euphemistische Umschreibung. Es ist ein grauer Würfel, der an Vorder- und Rückseite offen ist. Ursprünglich war das drei mal drei Meter messende Stück als vorgefertigtes Teil für eine Pumpstation gedacht, nun steht es so in der schwedischen Landschaft, dass man dadurch einen Teil des Ackers und die Ostsee sowie weiter hinten den Horizont sieht.

“Klassische Landschaftsmalerei eigentlich“, sagt Nordgren. “Der Fotograf Tom Sandberg und die Architekten von Snøhetta haben die Idee gehabt und das Objekt so platziert, dass dieser Blick dabei herauskam“, so Nordgren. Nächstes Objekt, gut hundert Meter weiter, ist ein Quader, der etwas von einer Ausstellungshalle hat. Das Baumaterial ist auch hier roher Beton, doch es gibt einen eindeutigen Ein- und Ausgang: eine gläserne Schiebetür an der einen Querseite, gegenüber ist eine Glaswand installiert, die anderen beiden Seitenwände sowie Decke und Boden sind aus rohem Beton. In die Decke sind kreisförmige Löcher gefräst, sodass genug Licht auf das einzige Ausstellungsstück fällt: die Fotografie eines Flugzeugflügels, aus dem Flugzeugfenster aufgenommen von Tom Sandberg.

Später soll auf dem Gelände eine Kunsthalle mit 800 bis 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche entstehen, doch zunächst einmal möchte Nordgren den Quader nutzen, um dort wechselnde Ausstellungen zu zeigen. Einige Meter weiter sind zwei weitere der kleineren Pavillons mit großformatigen Arbeiten von Sandberg bestückt, die die auf Glas gedruckt sind, das die ganze Rückseite einnimmt. Am Schluss steht wiederum ein leerer Pavillon auf einem Kornfeld, der als Rahmen für die Landschaft dient. Weil sich die im Jahresverlauf stetig ändert, gibt es bereits jetzt im Kivik Art Centre eine Art Wechselausstellung.