Wärmedämmung - Hamburg

Rettung für Klinkerwände

Zehn Hamburger Institutionen, darunter BDA und Architektenkammer, fordern von der Politik, das massenhafte Verkleistern von Backsteinfassaden zu stoppen
Mahnung der Fachleute:Architekten rufen zur Rettung der Backsteinfassaden auf

Hamburg: Klinkerimitat auf Dämmplatten (vorn) gegen echten Backstein (hinten)

Die staatlichen Vorgaben zum Energieverbrauch von Gebäuden verändern rasant die deutschen Stadtbilder (siehe "Deutschland isoliert sich", art 12/2007): Da das Verkleiden der Fassaden mit Isoliermaterial oft die schnellste und billigste, wenn auch nicht unbedingt sinnvollste Art ist, die geforderten Werte zu erreichen, verschwinden reihenweise Altbauten hinter dicken Styroporhüllen.

In Hamburg wollen zehn renommierte Institutionen dieser Praxis nicht länger zusehen, darunter die Fritz-Schumacher-Gesellschaft zur Förderung der Baukultur, der Landesverband des BDA, die Architektenkammer, die Ingenieurkammer-Bau und die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung. Ihre Mitglieder fürchten um den traditionellen Charakter Hamburgs als Backsteinstadt und fordern in einem Memorandum von den Landespolitikern, insbesondere die markanten Wohnsiedlungen der zwanziger und dreißiger Jahre, aber auch viele wichtige Quartiere der Nachkriegsjahrzehnte so weit wie möglich von der Fassadendämmung auszuschließen – schließlich ließe sich auch durch Maßnahmen wie Erneuerung von Haustechnik und Fenstern sowie Dämmung von Kellerdecke und Dach oft der Energieverbrauch eines Neubaus erreichen.

Eigentümer für das Stadtbild bedeutsamer Bauten sollten verpflichtet werden, vor einschlägigen Eingriffen anhand einer Bestandsanalyse "die Verträglichkeit der Maßnahme mit den baukulturellen Zielen nachzuweisen". Außerdem müssten konventionelle Sanierungsarbeiten, die den Energieverbrauch eines Gebäudes senken, in den staatlichen Förderungskatalog aufgenommen werden, beispielsweise der Austausch maroder Fugen, durch den feuchte Klinkerwände getrocknet werden können. Sie seien gewiss nicht gegen das Energiesparen, betonen die Unterzeichner des Memorandums. Doch würden oft aus Unkenntnis, Gedankenlosigkeit und kurzsichtigem Spardrang irreparable Schäden angerichtet: Sei eine Backsteinfassade einmal verkleistert, sei sie nicht mehr zu retten.

Damit die Bauherren aus früheren Fehlern lernen können, soll ein Handbuch die bisherigen praktischen Erfahrungen mit der Problematik zusammenfassen.