UNESCO - Weltkulturerbe

Schmetterlinge, Tempel und Wohnsiedlungen

Von Schmetterlingen in Mexiko bis zu den Berliner Wohnsiedlungen der Moderne – die UNESCO hat bei ihrer Tagung im kanadischen Québec insgesamt 27 Kultur- und Naturstätten neu als Welterbe anerkannt. Damit gibt es jetzt 878 Stätten auf der Schutzliste, 33 davon in Deutschland.
27 neue Stätten sind Weltkulturerbe:Alle neuen Kultur- und Naturstätten

Die Tulou-Lehmrundbauten in der chinesischen Provinz Fujian sind mehrstöckige Wohnstätten aus dem 12. bis 20. Jahrhundert, die für Verteidigungszwecke gebaut wurden. 46 besonders gut erhaltene und repräsentative Beispiele erhielten das Gütesiegel.

Zum Abschluss der Neuaufnahmen verlieh die UN-Kulturorganisation am Dienstag (Ortszeit) zwei Denkmälern der Bahai-Religion in Israel das begehrte Gütesiegel, im südpazifischen Inselstaat Vanuatu kam das Kulturprojekt Roi Mata auf die Liste.

Von den 27 neu aufgenommenen Stätten zählen 19 zum Kulturerbe, 8 zum Naturerbe, teilten die Veranstalter in Québec mit. Vier Länder sind jetzt erstmals vertreten: Papua-Neuginea mit der 10 000 Jahre alten Agrarlandschaft Kuk, Saudi-Arabien mit der nabatäischen Felsenstadt Hegra, Vanuatu mit der Grabstätte des legendären Häuptlings Roi Mata und der in der Nähe von Rimini liegende Zwergstaat San Marino mit seiner intakten historischen Stadtanlage.

Die Vertragsstaaten der Welterbe-Konvention verpflichten sich, ihre Gedenkstätten zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten. Rechtlich bindend sind die Vorgaben nicht. Eine Streichung von der Liste, wie sie jetzt wegen der umstrittenen Waldschlösschen-Brücke dem Dresdner Elbtal ultimativ angedroht wurde, ist aber ein erheblicher Imageverlust. Insgesamt hatten sich bei der diesjährigen Tagung mehr als 40 Projekte neu um das Gütesiegel beworben. Gut ein Dutzend wurde aus unterschiedlichen Gründen nicht berücksichtigt. Einige Länder hätten selbst ihre Anträge zurückgezogen, bei anderen würden weitere Informationen benötigt, sagte ein Sprecher.

Neue Form des sozialen Wohnungsbaus

Deutschland steht mit Berliner Wohnsiedlungen aus den Jahren von 1913 bis 1934 neu auf der Welterbeliste. Die sechs Siedlungen hätten einen beträchtlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Architektur und Städtebau gehabt, befand das UNESCO-Komitee. Architekten wie Bruno Taut, Hans Scharoun oder Walter Gropius hatten
mit ihrem auf Licht und Sonne achtenden Konzept eine neue Form des sozialen Wohnungsbaus geschaffen, die Siedlungen hoben sich stark von den zeitgenössischen Mietskasernen ab.

Bei den zuletzt unter Schutz gestellten Denkmälern in Israel handelt es sich um die beiden wichtigsten Heiligtümer der Bahai-Religion, die im 19. Jahrhundert entstand und weltweit rund fünf Millionen Anhänger hat. Die Grabstätten der Religionsgründer Bab und Baha'u'llah in Haifa und West-Galiläa seien von herausragendem universellen Wert, befand das Welterbe-Komitee.

Das Kulturprojekt "Roi Mata" auf Vanuatu steht nach Ansicht der UNESCO für wichtige Ereignisse in der Geschichte der Pazifikinsel. Es sei mit dem sozial- und friedenspolitischen Erbe des gleichnamigen legendären Häuptlings verbunden, der um 1600 hier begraben wurde. Zu den schon am Montag auszeichneten neuen Denkmälern gehören die italienischen Städte Mantua und Sabbioneta, die Rhätische Bahn zwischen der Schweiz und Italien sowie die Schweizer Alpenregion um den Piz Sardona.

Die 19 neuen Kulturstätten

1. China: Die Tulou-Lehmrundbauten in der Provinz Fujian sind mehrstöckige Wohnstätten aus dem 12. bis 20. Jahrhundert, die für Verteidigungszwecke gebaut wurden. 46 besonders gut erhaltene und repräsentative Beispiele erhielten das Gütesiegel.

2. Deutschland: Die sechs Siedlungen der Berliner Moderne entstanden in den Jahren 1913 bis 1934. Als Gegenmodell zu den damals üblichen Mietskasernen repräsentieren sie einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus.

3. Frankreich: Die Festungsanlagen des Generals und Baumeisters Vauban (1633-1707) gelten als klassisches Beispiel der westlichen Militärarchitektur. 13 besonders bedeutende Werke wurden Welterbe.

Die 19 neuen Kulturstätten

4. Iran: Die Armenischen Klosteranlagen St. Thaddäus und St. Stephanos sowie die Kapelle von Dzordzor sind die letzten bedeutenden Zeugnisse der christlichen armenischen Kultur in der Region Iranisch-Aserbaidschan.

5. Israel: Die Heiligen Stätten der Religionsgemeinschaft Bahai in Haifa und West-Galiläa bergen in weitläufigen Gartenanlagen die Schreine der Religionsgründer Bab und Baha'u'llah.

6. Italien: Die Städte Mantua und Sabbioneta gehören zu den bedeutendsten Renaissancestädten Italiens und sind eng mit der Geschichte der zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert herrschenden Adelsfamilie Gonzaga verbunden.

7. Italien/Schweiz: Die grenzüberschreitende Welterbe-Stätte Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina von Thusis über St. Moritz nach Tirano (Italien) zählt zu den spektakulärsten Schmalspurbahnen der Welt.

8. Kambodscha: Der Hindu-Tempel Preah Vihear aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist dem Gott Shiva geweiht. Wegen seiner Lage im Grenzgebiet zu Thailand streiten beide Länder seit Jahrzehnten um ihn.

9. Kenia: Die Kayas der Mijikenda sind elf Waldgebiete entlang der Küste mit Resten von zahlreichen befestigten Dörfern des Stammes der Mijikenda.

10. Kroatien: Die Ebene von Stari Grad auf der adriatischen Insel Hvar ist eine Kulturlandschaft, die seit der Kolonisierung der Griechen im 4. Jahrhundert vor Christus intakt geblieben ist.

11. Kuba: Das historische Zentrum der Stadt Camagüey geht auf eine der ersten sieben Ansiedlungen der Spanier auf Kuba zurück. Die Stadtstruktur aus dem Jahr 1528 ist bis heute erhalten.

12. Malaysia: Die historischen Städte Melaka (Malakka) und Georgetown an der Meerenge von Malakka stehen für eine über 500-jährige Geschichte des Handels und Kulturaustausches zwischen Ost und West.

13. Mauritius: Die Kulturlandschaft Le Morne im Südwesten der Insel war mit ihren Berghöhlen im 18. und 19. Jahrhundert ein wichtiger Zufluchtsort für entflohene Sklaven.

14. Mexiko: Die Festung San Miguel de Allende, im Stil des mexikanischen Barock erbaut, gilt als Schmelztiegel des kulturellen Austauschs zwischen Spaniern, Kreolen und Indios.

15. Papua-Neuguinea: Die historische Agrarlandschaft von Kuk im südlichen Hochland von Neuguinea, 1500 Meter über dem Meeresspiegel, wurde vermutlich seit 10 000 Jahren durchgehend von Bauern bestellt.

16. San Marino: Das historische Zentrum von San Marino reicht zurück bis zur Gründung des Stadtstaats im 13. Jahrhundert und ist ein Zeugnis der Kontinuität einer freien Republik seit dem Mittelalter.

17. Saudi-Arabien: Die archäologische Stätte Al-Hidschr, die frühere Felsenstadt Hegra, ist die größte erhaltene Siedlungsstätte der Nabatäer südlich von Petra in Jordanien.

18. Slowakei: Die acht Holzkirchen in den Karpaten gehören zu den am besten erhaltenen Holzkirchen Europas aus der Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.

19. Vanuatu: Die Kulturlandschaft "Chief Roi Mata's Domain" ist mit dem sozial- und friedenspolitischen Erbe des legendären Häuptlings Roi Mata verbunden, der nach seinem Tod um 1600 hier begraben wurde.

Die acht neuen Naturerbe-Stätten

1. China: Der in der Provinz Jiangxi gelegene Nationalpark Mount Sanqingshan gilt als außergewöhnlich schön. Viele der Felsspitzen und Granitformationen ähneln menschlichen und tierischen Silhouetten.

2. Frankreich: Die tropischen Lagunen der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien im Pazifischen Ozean sind eines der drei größten Riffsysteme der Welt mit einer Vielfalt intakter Ökosysteme.

3. Island: Die vor der Südküste Islands gelegene Vulkaninsel Surtsey ist durch Vulkaneruptionen zwischen 1963 bis 1967 entstanden und ein Laboratorium für die Erforschung von Pflanzen und Tiere.

4. Jemen: Der Sokotra-Archipel liegt im indischen Ozean nahe dem Golf von Aden und gehört zu den artenreichsten Inselgebieten der Erde.

5. Kanada: Die Fossilienstätte Joggins in der Provinz Neuschottland gilt als eine der bedeutendsten Fundstellen für Fossilien aus dem Kohlezeitalter. Sie zeugt von 350 Millionen Jahren Erdgeschichte.

6. Kasachstan: Die Steppenlandschaft "Kasachische Schwelle" (Saryarka) in Nordkasachstan ist ein wichtiges Naturreservat für viele vom Aussterben bedrohte Zugvogelarten und andere Tiere.

7. Mexiko: Im Biosphärenreservat Mariposa Monarca nordwestlich von Mexiko City finden sich jeden Herbst Millionen, vielleicht eine Milliarde Schmetterlinge aus weiten Teilen Nordamerikas ein.

8. Schweiz: Die "Tektonikarena Sardona" zwischen den Kantonen St. Gallen, Glarus und Graubünden gilt mit ihren ungewöhnlichen Gesteinsverschiebungen als außergewöhnliches Naturphänomen.

dpa

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