Art Institute of Chicago - Renzo Piano

Einladung zur Kunst

Das Art Institute of Chicago weihte am Wochenende seinen "Modern Wing" ein. Der Erweiterungsbau Renzo Pianos macht das Museum zum zweitgrößten der USA.
Einladung zur Kunst:Einweihung des Erweiterungsbaus von Renzo Piano

Das neue Art Institute of Chicago: In den zusätzlichen 6400 Quadratmetern sind die Kunst ab 1900, zeitgenössische Fotografie, Architektur und Design untergebracht

Wenn die harten Wintermonate vorbei sind, drängt es die Bevölkerung von Chicago ins Freie. Vor der Kulisse der Wolkenkratzer bevölkern sie den Millennium Park, spiegeln sich in Anish Kapoors metallischer Wolke oder schauen zu, wie sich auf Jaume Plensas Wasserkuben alltägliche Gesichter in einer Videoinstallation verformen. Das Kunstvergnügen hat am vergangenen Wochenende eine weitere Destination erhalten. Direkt gegenüber dem Park konnte das Art Institute of Chicago nach zehnjähriger Entstehungszeit seinen 294 Millionen Dollar teuren "Modern Wing" eröffnen.

Renzo Piano hat den dreigeschossigen Anbau sehr einladend gestaltet und auf die Stadt hin geöffnet. Die Stahl-Glas-Konstruktion, die L-förmig an die Nordseite des bestehenden Kalkstein-Gebäudes angedockt ist, wirkt bei aller technischen Detailversessenheit des Italieners insgesamt leicht und elegant. Der große Baukörper ist in drei Volumen gegliedert. Auf hohen Stahlstützen schwebt darüber ein Dach, das mit seinen Lamellen die Ausstellungsräume vor zu viel Sonne schützt. Die sich über alle drei Stockwerke erstreckende Glasfassade erlaubt Blicke ins Innere. Eine 200 Meter lange Fußgängerbrücke führt über eine Straße vom Park zu Skulpturenterrasse und Restaurant im zweiten Obergeschoss. Und im Innern läßt ein 90 Meter langes Foyer mit seinem Glasdach wie eine der alten Pariser Passagen Licht ins Innere fallen und erschließt die weitgehend offen gehaltenen Ausstellungsräume zu beiden Seiten.

"Jetzt können wir zum ersten Mal alle unsere Highlights zeigen"

Als Piano bei der Eröffnung seine Erweiterung in den Zusammenhang mit der Bautradition Chicagos stellte, erinnerte er auch an die Katastrophe, die der Erfolgsgeschichte des Kunstmuseums vorausging. Als die Bürger von Chicago 1893 ihr Art Institute einweihten, waren gerade mal 20 Jahre vergangen, seit das große Feuer ihre Stadt zerstört hatte. Der Wiederaufbau schuf mit seiner Stahlbauweise nicht nur die Voraussetzungen für den Siegeszug der Wolkenkratzer und legte den Grundstein für die architektonische Moderne, er ermöglichte auch einen beispiellosen Wirtschaftsboom. Wer Vermögen anhäufte, reiste nach Paris und kaufte dort Kleider, Parfums und auch Bilder. Dass die Chicagoer Landschaften liebten, traf sich gut mit dem Siegeszug der Impressionisten. Die Metropole am Lake Michigan sollte in ihrem Beaux-Arts-Palast bald eine der schönsten Sammlungen der Kunst von Monet & Co beherbergen. Und sie wies mit Georges Seurats pointillistischem Hauptwerk "Ein Sonntag auf der Grand Jatte" auch darüber hinaus.

Inzwischen besitzt das Museum von der altindischen Kunst bis zur zeitgenössischen Fotografie ein Dutzend Sammlungen mit insgesamt 260 000 Objekten und platzt aus allen Nähten. Verschiedene Anbauten, die das historische Gebäude um Bahngeleise herum wachsen ließen, konnten die Not nicht wirklich lindern. So wurde vor zehn Jahren Renzo Piano mit einer neuen Erweiterung beauftragt. Der "Modern Wing" macht das Art Institute mit zusätzlichen 26 400 Quadratmetern zum zweitgrößten Museum der USA und erweitert die Ausstellungsfläche um ein Drittel. Auf den zusätzlichen 6400 Quadratmetern sind die Kunst ab 1900, zeitgenössische Fotografie, Architektur und Design untergebracht. "Jetzt können wir zum ersten Mal unsere Highlights wirklich zeigen", sagte Direktor James Cuno. Exquisite Räume zu Gerhard Richter, Ellsworth Kelly, Robert Ryman und Robert Gober zählen ebenso dazu wie zwei Dutzend Boxen von Joseph Cornell in einem Wunderkabinett des Surrealismus. Die Stadt der Eisenbahnen und der Schlachthöfe präsentiert sich auch als eine der weltweiten Metropolen der Kunst.

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