Daniel Libeskind - Berlin

Libeskind freut sich immer über Kontext

Die Erweiterung des Jüdischen Museums in Berlin wird vor allem Platz für Bildungsangebote schaffen. Im Herbst 2011 soll der Neubau nach dem Libeskind-Entwurf fertig sein.
"Libeskind freut sich immer über Kontext":Erweiterung des Jüdischen Museums

Skizze von Daniel Libeskind zum geplanten Neubau des Jüdischen Museums Berlin

Der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind hat seinen Entwurf für die Erweiterung des Jüdischen Museums in
Berlin vorgelegt. Gegenüber dem Museum soll in einer riesigen früheren Blumenmarkthalle eine Haus-im Haus-Konstruktion entstehen, die an die bisherigen Bauten des Stadtplaners für das Museum anknüpft. Die Halle wird frei, weil der Berliner Blumengroßmarkt auf ein anderes Gelände umzieht.

"Daniel Libeskind sieht das Gebäude als einen Bestandteil des Gesamtensembles", sagte Projektleiter Jochen Klein aus Zürich, der die Pläne am Dienstag in Berlin vorstellte. Der Bau soll im August beginnen und im Herbst 2011 fertig sein. Von den zehn Millionen Euro Kosten übernimmt der Bund sechs Millionen, das Museum den Rest. Der US-Freundeskreis des Hauses steuert den Libeskind-Entwurf als Sachspende bei.

Das 2001 im Herzen Berlins eröffnete Museum platzt seit langem aus allen Nähten. Einst für 300 000 Besucher geplant, kommen heute im Schnitt 750 000 Menschen pro Jahr. Mit dem neuen Bau sollen vor allem die Bildungsangebote erweitert werden, die bisher rund 100 000 Besucher nutzen.

Würfel in die Industriehalle "hineinschieben"

Libeskind hatte mit einem spektakulären Entwurf bereits den ersten Neubau des Museums geplant. 2007 fügte er dem barocken Eingangsgebäude einen neuen Glashof hinzu. Nun will er drei schräg stehende Würfel sozusagen in die 6000 Quadratmeter große Industriehalle "hineinschieben", die Innenarchitektur des 60er-Jahre-Gebäudes soll erhalten und sichtbar bleiben.

"Wir planen noch nicht einmal einen neuen Anstrich", sagte Klein. "Daniel Libeskind freut sich immer über Kontext - über Bauten, die schon da sind, über Geschichte an einem Ort." Der deutsche Freundeskreis des Museums übernimmt den nicht genannten Kaufpreis für die Halle.

Libeskind, ein in Polen geborener Jude, wurde mit seinen ungewöhnlichen Kulturgebäuden berühmt. In New York zeichnet er nach den Terroranschlägen vom 11. September für den sogenannten Freedom Tower verantwortlich. 2002 inszenierte er in Berlin erstmals eine Oper. dpa

Mehr zum Thema auf art-magazin.de