Jean Nouvel - Serpentine Pavillon

London sieht rot

Frankreichs berühmtester Baumeister ist der zehnte Architekt, der einen temporären Sommerpavillon für die Serpentine Gallery entwerfen durfte. Heraus kam ein leuchtender Kontrast zum grünen Hyde Park.

Als "Sonnenmaschine" bezeichnet Jean Nouvel seine Kreation im grünen Hyde Park. In der Tat leuchtet das intensive Rot des Pavillons schon von weitem wie ein Zirkuszelt.

Das wie ein Pfeil in den Himmel ragende Gebilde an der einen Seite entpuppt sich beim Näherkommen als zwölf Meter hohe Wand aus rotem Glas, die mit einer beängstigenden Neigung den niedrigen Bau mit seinen ausrollbaren Markisen zu bedrohen scheint. Auf der anderen Seite erhebt sich ein ebenfalls roter Glaskubus, in dessen Seitenwand die Worte "Green" und "Sky" gestanzt wurden.

Auch im Inneren des Pavillons ist alles rot: Stühle und Tische, Sessel und Hollywoodschaukeln, die Bar, ja sogar die Kühlschränke. Wie auch die in rotes Licht getauchten Gesichter der Besucher. Dazu kann man auf roten Platten Tischtennis spielen, rote Frisbees werfen oder rote Fußbälle kicken. Eine rote Spielwiese für Kind gebliebene Erwachsene. "Architektur auf Urlaub" nennt ihn sein Schöpfer. Abends dagegen geht es hochintellektuell zu: Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen und ein sogenanntes "Sleep-Over" – die Teilnehmer verbringen die Nacht dort, beinahe unter freiem Himmel. Alles kuratiert von Superstar und Co-Direktor Hans-Ulrich Obrist.

Vor Nouvel hatten sich schon unter anderem Zaha Hadid, Rem Kolhaas, Frank Gehry, Oscar Niemeyer und das japanische Büro SANAA an dem temporären Pavillon versucht. Nach dem Sommer wird er wieder abgebaut und an den Meistbietenden versteigert. Das ehemalige Teehaus in Londons Hyde Park feiert in diesem Jahr auch sein 40-jähriges Jubiläum als Kunstgalerie, die unter der Ägide von Direktorin Julia Peyton-Jones mit einem aufregenden Ausstellungsprogramm zu internationalem Ansehen gelangt ist. Die gegenwärtige, von ihm selbst konzipierte und gehängte Werkschau des deutschen Fotokünstlers Wolfgang Tillmans ist Beweis dafür. Auch der Pavillon ist ihre Idee, denn die Galerie besitzt kein eigenes Café. Im letzten Jahr kamen 250 000 Besucher, das soll in diesem Jahr noch übertroffen werden.

"Jean Nouvel"

Termin: 5. Juli bis 20. Oktober 2010, Serpentine Gallery, London
http://www.serpentinegallery.org