Julius Shulman - Mannheim

Bungalow als Supermodel

Er dokumentierte den Bauboom in der Kennedy-Ära: Zum 100. Geburtstag des Architekturfotografen Julius Shulman präsentiert Zephyr–Raum für Fotografie in Mannheim die Ausstellung "Cool and Hot". Sie spiegelt die Coolness und Eleganz einer Epoche und ruft durch stimmungsvolle Atmosphäre die Sehnsucht hervor, Teil dieses "American Way of Life"" zu werden.
Bungalow als Supermodel:Gläserne Wohnzimmer, Atmospäre, Licht

Julius Shulman: "Case Study 22", Los Angeles 1960, Archtekt: Pierre Koenig

Sein erster Auftrag war ein Freundschaftsdienst. Julius Shulman sollte das Haus eines Bekannten fotografieren. Der zeigte die Aufnahmen dem Architekten – und bei­de waren begeistert. Es war der Anfang einer großen Karriere als Architekturfotograf, denn dieser Architekt war nicht irgend­einer, sondern Richard Neutra, einer der wichtigsten Vertreter der klassischen Moder­ne in den USA. Für Julius Shulman wurde er zum Türöffner in die Welt des neuen Bauens.

Obwohl er das Handwerk nicht gelernt hatte, dokumentierte er den Bauboom in der Kennedy-Ära. "Er hatte die Gabe, Atmosphäre zu zaubern", sagt Thomas Schirmböck, der im Zephyr–Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim die Ausstellung "Cool and Hot" organisiert – zu Shulmans 100. Geburtstag. Shulman, der im vergangenen Jahr gestorben ist, war an den Vorbereitungen noch beteiligt, weil ihn das Konzept der Schau interessierte. "Wir versuchen, Strukturen aufzuzeigen", sagt Schirmböck.

So sollen die rund 200 Fotografien nicht chronologisch präsentiert werden, sondern nach Themen wie beispielsweise dem Fenster. "Er hat Fenster oft als Bilder inszeniert", sagt Schirmböck. Es geht auch darum, wie Shulman das Licht in den Bungalows in Szene setzte und Menschen als Staffagefigu­ren in den Häusern platzierte. Zufällig war nichts bei Shulman, ob es die Gartenliegen auf der Terrasse waren oder die beiden Frau­en, die in seinem legendären Bild "Case Study House 22" aus dem Jahr 1960 in dem gläsernen Wohnzimmer über den Lichtern von Los Angeles posieren. Auch wenn Shulman gelegentlich sozia­len Wohnungsbau dokumentierte, sind die meis­ten seiner Ikonen bei dem Programm "Case Study House" entstanden: Von 1945 an entwarfen namhafte Architekten Modellhäuser in Modulform, um den zahllosen Kriegsheim­kehrern schnell wieder eine Bleibe verschaffen zu können. "Es waren relativ bescheidene Häuser mit hohem planerischen Auf­wand und innerer Harmonie", sagt Schirm­böck. Trotzdem galten die kleinen Bungalows als elitär und wurden kaum nachgebaut.

In den letzten Jahren arbeitete Shulman mit einem Partner, dem deutschen Fotogra­fen Jürgen Nogai. Gemeinsam sind sie an Shulmans alte Wirkungsstätten zurückgekehrt und haben die Case Study Houses erneut fotografiert. "Shulman hat nie Wert auf hochwertige Technik gelegt", erzählt Schirm­böck, "sondern mit relativ einfachen Mitteln gearbeitet." Die neuen Aufnahmen sind dagegen mit hohem technischen Aufwand entstanden. Zum ersten Mal werden diese Fotografien nun in Deutschland gezeigt und den originalen Aufnahmen gegenüberge­stellt. Die Häuser selbst haben sich verändert, auch die Farbigkeit der Fotografien unterscheidet sich, nur in einem ist Shulman sich treu geblieben. "Das Atmosphäri­sche ist geblieben", sagt der Kurator, "und das ungeheuer Lebendige."

"Cool and Hot"

Termin: bis zum 27. Februar 2011 im Zephyr–Raum für Fotografie in Mannheim
http://www.zephyr-mannheim.de/

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