Richtfest Libeskind-Bau

Dresden

Ein Keil im Arsenal
Die markante Spitze des Neubaus, entworfen vom Architekten Daniel Libeskind (Susanne Altmann)

EIN KEIL IM ARSENAL

Das Militärhistorische Museum feierte am Montag in der Dresdner Albertstadt Richtfest. Eine Stahlkonstruktion trennt nun den Altbau von 1846. art-Autorin Susanne Altmann war vor Ort und berichtet von einem wahrlich kriegerischen und feierlichen Ambiente.
// SUSANNE ALTMANN, DRESDEN

Montagnachmittag im Norden Dresdens: Es regnet in der Albertstadt. Seit einer halben Stunde friert eine Menschenansammlung vor der Baustelle des Militärhistorischen Museums.

Auf der Freitreppe haben sich Honoratioren zum Gruppenfoto drapiert. Journalisten bekommen Kaffee von adretten Uniformierten. Ein Unterstand ist nicht in Sicht. Doch über allem schwebt eine kühne Stahlkonstruktion, die keilförmig in den grauen Himmel sprießt. Daniel Libeskinds Neubau trennt das ehrwürdige Gebäude von 1846 in zwei Teile. Heute ist Richtfest, in Anwesenheit des Architekten, der, klein, schwarzgekleidet und agil, dicht umlagert wird. Auch der neue sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ist erschienen. Worauf wartet die Menge noch? Plötzlich Blaulicht, und pünktlich stimmt die Blaskapelle einen Marsch an: Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) entsteigt einer Limousine und das Fest kann beginnen.

Wohl niemals zuvor ist das Richtfest eines Museumsneubaus in Deutschland mit derartig militärischer Präzision gefeiert worden. In zackigem Ton wird die Truppe, pardon: die Gruppe von Gästen und Journalisten koordiniert. Zum Glück bleibt noch genug Spielraum für eine rasche Führung durch die Baustelle und die mit Panzern und antikem Fluggerät gefüllte Interimsausstellung nebenan.

Daniel Libeskind - "Ein reines Reißbrettgenie"

Für Daniel Libeskind ist das kriegerische Ambiente kein Neuland. Bereits 2002 eröffnete in Manchester das nach seinen Plänen gestaltete Imperial War Museum, ein Jahr nach der Einweihung des Jüdischen Museums Berlin. Noch bis vor 10 Jahren wurde der heute 62-Jährige als reines Reißbrettgenie gehandelt. Seit Berlin kann er sich vor Aufträgen kaum noch retten. Die Dresdner Baustelle scheint ihm jedoch sehr am Herzen zu liegen, wie seine häufigen Aufenthalte in der Elbestadt belegen. Dabei könnte ihm der Appetit auf sächsische Bauvorhaben längst vergangen sein: Sein 2001 vorgelegter Entwurf für ein Mehrzweckgebäude der Dresdner Wohnungsbaugenossenschaft WOBA wurde vor Ort heftig und ablehnend diskutiert und verkam zur Makulatur, nicht zuletzt, weil die WOBA 2007 an das US-amerikanische Immobilienunternehmen Fortress verkauft wurde.

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